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Inspiriert von einem Oberländer Radkollegen, der sich schon länger der Ultra-Radmarathon Szene verschrieben hat und für den 300km Trainingseinheiten nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind, wollte ich auch einmal die magische Grenze von 300 Trainingskilometer non-stop durchstoßen. Als sich dann am 1. August 2012 überraschend eine Mitfahrgelegenheit nach Oberösterreich ergab und der Wetterbericht einen herrlichen Sommertag voraussagte, nahm ich die Herausforderung „Oberösterreich – Vorarlberg an einem Tag“ ohne besondere Vorbereitung spontan an. Um 7:45h startete ich in Redl bei Vöcklabruck bei 22 Grad solo und ohne Begleitfahrzeug in die 422km lange Tour, deren Streckenführung sich an dem Vorschlag von Google Maps „Rad“ richtete. Eine Tabelle mit allen wichtigen Etappenorten klebte ich zur schnellen Orientierung auf mein Rahmenoberrohr. Die mitgenommene Verpflegung bestand lediglich aus 2 Bananen und zwei Trinkflaschen mit verdünntem Orangensaft. Absicht war es, mich mit Nachschub aus den am Weg liegenden Tankstellen zu versorgen.
Um schnell Kilometer zu machen, wollte ich die ersten 100km mit einem Schnitt von größer 35 km/h zurücklegen. Das erste „Etappenziel“ war dann das 70km entfernte Salzburg. Auf dem Weg dorthin lief ich in Straßwalchen mit flotten 37 km/h auf den ersten Rennradler auf. Auf meinen Hinweis heute nach Vorarlberg zu fahren, brach der Radsportler in lautes Gelächter aus. Diese Reaktion wiederholte sich auch bei anderen Begegnungen, bis ich aufgab, es zu erwähnen. Mein hohes Anfangstempo wollte ohnehin niemand mitgehen. Salzburg verließ ich trotz vieler Ampeln und Baustellen mit einem Schnitt von 35,8 km/h. Mein nächstes Ziel war Traunstein in der Nähe des Chiemsees. Als ich dort angekommen keinen Wegweiser für den nächsten Zwischenzielort Grabenstätt fand, legte ich einen ersten Kurzstopp ein. Ich nahm meine Straßenkarte aus der Rückentasche – und bei Betrachtung traf mich fast der Schlag. Traunstein stellte sich als großer Umweg heraus. Ich hätte viel weiter südlich und damit wesentlich schneller über Bad Reichenhall die Tiroler Landesgrenze erreichen können. So fuhr ich etwas deprimiert über Siegsdorf, Ruhpolding wieder auf die Höhe von Bad Reichenhall zurück. Der Beta Version von Google Maps „Rad“ kann also nicht bedingungslos getraut werden. Dem Schnitt tat dies aber keinen Abbruch, Ruhpolding wurde nach 110km mit 36,1 km/h erreicht. Von jetzt an ließ ich es langsamer angehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Gelände in Richtung Reit am Winkel kontinuierlich anstieg und sich auch erstmals spürbarer Gegenwind einstellte. Die Temperatur kletterte zwischenzeitlich auf 30 Grad. Als ich dann zur Mittagszeit die Tiroler Landesgrenze bei Kössen überquerte, stellte sich nach dem Umweg wieder Freude ein. Von Kössen ging es dann ständig leicht abwärts bis Kufstein, das ich bei anhaltendem Gegenwind nach einer zurückgelegten Strecke von 160km mit einem Schnitt von 34,7 km/h erreichte. Kufstein war auch mein erster Verpflegungsort.
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Beide Trinkflaschen wurden wieder aus einem Mix aus Orangensaft und Wasser sowie der Zufuhr von Salz nachgefüllt. Überhaupt ist Salz, es sei an dieser Stelle verraten, die allerwichtigste Komponente um Muskelkrämpfe bei langen Touren zu vermeiden. Ohne wirkliche Pause ging die Fahrt weiter nach Wörgl. Hier lief ich mit 35 km/h Geschwindigkeit auf eine Viererradgruppe auf, die sich mit 33 km/h auf den Weg in das Zillertal machte. Als ich mich an die Spitze dieser Gruppe setzte (nein ich erwähnte nicht, dass ich nach Vorarlberg fahre...) trat das altbekannte Phänomen auf - das jeder Marathonfahrer des RV-Hard kennt - und zwar, ziehst du das Tempo auf 40 an, sie gehen mit. Lässt du dich ablösen, fällt das Tempo wieder auf 33 km/h zurück. Ziehst du wieder an, diesmal kräftig um wegzukommen, du glaubst es nicht, sie gehen alle wieder locker mit. Irgendwie frustrierend, dennoch brachte die Gruppe wohltuende Abwechslung in die Sache. Die Temperatur stieg inzwischen föhnbedingt auf 36 Grad an und ich spürte erstmals auch Hitze vom Asphalt herauf. Super war dagegen, dass der Wind bei Jenbach drehte und mich nun anschob. So erreichte ich Innsbruck schon um 15.15h und war damit meinem Etappenplan um 45 Minuten voraus. Der Schnitt stieg nach 230km minimal auf 34,8 km/h. Einen zehnminütigen Stopp nutze ich wieder zur Nachschubversorgung. Mit neuem Schwung ging es nach Völs. Dort wurde ich von einer langen Baustelle stark eingebremst. Der Schnitt fiel in kurzer Zeit auf 34,3 km/h zurück. Danach lief es aber wieder normal mit gutem Rückenwind über Zirl nach Telfs. Dort sah ich 50 Meter vor mir, wie eine Fünferradgruppe in meine Fahrtrichtung einbog. Ich musste voll andrücken, damit ich in den Windschatten kam. Dies sollte sich als großer Fehler erweisen. Die Gruppe bolzte mit konstant 45 km/h nach Imst. Ich erzählte von meiner Fahrt und fragte höflichkeitshalber, ob ich mich denn ohne Nachführarbeit anhängen darf. Ich durfte und freute mich anfangs über die schnell zurückgelegten Kilometer im Windschatten und bei Rückenwind. Bis dann ein sehr langer Anstieg kurz vor Imst kam, bei dem ich viel zu lange das hohe Tempo der Gruppe mitging, im Glauben nach jeder Kurve wäre die erlösende Ebene erreicht. Ich musste reißen lassen. Der Kraftverlust war so groß, dass ich in Imst (Schnitt stieg wieder auf 34,6 km/h an) einen ungeplanten Stopp einlegen musste. Vollkommen erschöpft taumelte ich wie ein angeschlagener Boxer zur rettenden Tankstelle. Ich ärgerte mich immens, wie ich denn nach über acht Stunden Fahrzeit nur dieses hohe Tempo mitgehen konnte.
Erst eineinhalb Liter kaltes Vöslauer Mineralwasser über den Kopf und eine zehnminütige Sitzpause mit Nahrungsverpflegung brachten mich wieder zurück in den Sattel. Oberstes Ziel von nun an war das Nachhausekommen, egal wie schnell. Bis Landeck nahm ich denn auch das Tempo komplett raus. Bei passieren des Ortes lag der Schnitt nach über 300km aber immer noch bei 34,0 km/h. Der nächste Etappenort Strengen in 1.001 Meter Höhe machte dann seinem Namen alle Ehre, nicht nur weil es bis dorthin ständig aufwärts ging, sondern weil auch ein heftiger Gewitterregen einsetzte. Den habe ich dann unter einem Vordach ausgesessen. Anschliessend fand ich kaum mehr einen Rhythmus und es verlief sehr zäh nach St. Anton und erstmals in meinem Leben habe ich mir auf dem Weg zum Arlbergpass ein 23er Ritzel hinten gewünscht (ich fahre ja zeitlebens 39/21). Abwärts von St. Christoph bis Bludenz konnte ich mich dann aber wieder ganz gut erholen und traf dann ohne weitere nennenswerte Ereignisse um 22:50h glücklich in Hard ein. Dort las ich einen Schnitt von 33,1 km/h ab. Ein großes Ziel war erreicht, die 300er Trainingsschallmauer wurde solo markant überschritten! Oberösterreich – Vorarlberg ist also an einem Tag machbar. Fazit: Ein großer Wille, etwas mehr als zehn Liter verdünnter Orangensaft, 2 Coca-Cola Zero, 1 Red-Bull, 2 Bananen, 1 Müsli-Riegel, 2 Salzbrezel und ein jederzeit tadellos funktionierendes Simplon Pavo brachten mich sehr gut über die Distanz.
Gefahren wurde mit einem überragenden 6,60kg leichten Simplon Pavo Race Rennrad aus Carbon und leichten Carbon Felgen. An dieser Stelle besten Dank an DJ's Bikeshop für die tolle Unterstützung!